Neue Bewohner fürs Gaswerksgelände

Gleich 250.000 neue Bewohner hat das Gaswerksgelände auf einen Schlag dazu bekommen. Ab sofort stehen hier fünf Bienenkästen, deren Bewohner schon jetzt fleißig Blütennektar sammeln.

Um den Bienenstock von Imker Alexander Kanzler summt und brummt es. Klar, denn in einem Bienenstock leben rund 50.000 Bienen, von denen jede Einzelne ihre Aufgabe hat. Vor allem die Aus- und Einfluglocher zu den Bienenkästen sind hochfrequentiert. Seit kurzem leben fünf seiner Bienenvölker nun auf dem Gaswerksgelände der Stadtwerke Augsburg (swa). „Hier haben die Bienen einen perfekten Lebensraum“, erklärt Imker Alexander Kanzler die Standortwahl. „Hier stehen viele Obstbäume und auch die naturbelassene Blühwiese ist ein idealer Ort für die Nahrungssuche der Biene.“

Ein Bienenvolk zieht um

Das Bienenvolk war, bevor es auf das Gaswerksgelände umgezogen wurde, in Pfersee beheimatet. Doch anders als beim Menschen wurden die Bienen natürlich vor ihrem Umzug nicht darüber informiert. Da stellt sich natürlich die Frage: Woher weiß die Biene, dass sie nun an einem anderen Ort lebt? Hier hilft der Biene ihr Orientierungssinn: „Sobald die Bienen ihren Stock verlassen, schauen sie sich um“, beschreibt Imker Kanzler das Talent seiner Bienen. „Stellt sie fest, dass sie die Gegend nicht kennt kehrt sie sofort wieder zu ihrem Stock zurück. Von dort aus erkundet sie dann erst einmal die Gegend und orientiert sich.“ Zur Imkerei kam Kanzler vor sieben Jahren. Grund dafür war sein Heuschnupfen. Er habe gehört, dass heimischer Honig zur Linderung, wenn nicht sogar zur Heilung seines Heuschnupfens beitragen könne. So begann er damals, sich mit dem Thema Bienen auseinanderzusetzen und hat angefangen, seinen eigenen Honig zu produzieren.

Imker_Gaswerk1_AH.jpg
Imker_Gaswerk2_AH.jpg

Ausgleich für stressigen Alltag

In einem Bienenstock ist immer etwas los. Hier wuselt und schwirrt es nur so vor sich hin. Doch was für uns auf den ersten Blick hektisch wirken mag, ist es ganz und gar nicht. Denn Hektik mögen die kleinen Tierchen gar nicht. Beim Imkern kommt es deshalb auf die nötige Ruhe und Gelassenheit an, um die Bienen nicht aufzuscheuchen oder gar aggressiv zu machen. „Bei meinen Bienen komme ich nach einem stressigen Tag zur Ruhe“, schwärmt Kanzler von der Arbeit mit seinen Tieren.

Kleine Tiere, große Bedeutung

Insekten, zu denen auch die Bienen zählen, spielen eine große Rolle für das Ökosystem. Sie sorgen für das Gleichgewicht der Natur: Sie bestäuben nicht nur die heimischen Pflanzen und sorgen damit für die große Vielfalt auf den Tellern, sondern sie dienen auch anderen Tieren, wie beispielsweise Vögeln als wertvolle Nahrung. Deshalb ist es so wichtig, die Biene und ihre Umgebung zu schützen. Und jede*r kann etwas dazu beitragen. Wer einen Balkon oder Garten hat, kann Wildblumen pflanzen, die den Insekten als Lebensraum und den Bienen als Nahrung dienen. Wer eine flache Schale mit Wasser aufstellt, bietet den Bienen den idealen Platz für eine Trinkpause an. Aber Vorsicht: Das Wasser darf nicht zu tief sein und es sollten immer Steine oder Holzstückchen im Wasser liegen, damit die schwarz-gelben Insekten nicht ertrinken.  

Imker_Gaswerk2_JM.jpg
Imker_Gaswerk3_AH.jpg

Honig vom Gaswerk

Noch in diesem Jahr soll es schon Honig von seinen Gaswerks-Bienen geben, erzählt der Imker. Dafür müssen sie nun im Frühling und Sommer aber erstmal fleißig Nektar sammeln, damit am Ende das flüssige Gold auf dem Frühstückstisch landen kann. Und auch der Imker ist immer wieder aufs Neue von seinen Tieren fasziniert: „Ich freue mich jedes Mal wieder, wenn ich sehe, welche große Arbeit so kleine Tiere leisten können.“

Fotos:
swa / Jonas Micheler
swa / Annika Heim